Kritik am Pflanzenschutz – wie Landwirte souverän reagieren können 

Moderner Pflanzenschutz im Einsatz – © Canva.com

Die Diskussion um Pflanzenschutz ist emotional aufgeladen. Viele Menschen begegnen dem Einsatz chemisch-synthetischer Mittel mit Skepsis – oft ohne die komplexen Zusammenhänge zu kennen. Für Landwirte bedeutet das: Sie müssen nicht nur ihre Arbeit machen, sondern auch erklären, warum sie tun, was sie tun. Gerade am Feldrand oder im Gespräch mit Nachbarn ist es wichtig, sachlich und verständlich zu argumentieren.

Warum Pflanzenschutz überhaupt nötig ist 

  • Kulturpflanzen sind anfällig für Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter – selbst bei bester Fruchtfolge und vorbeugenden Maßnahmen. 
  • Ohne wirksamen Pflanzenschutz sinken Erträge, die Qualität leidet und Lebensmittel können durch Schimmelpilze oder von Unkräutern gefährdet sein. 
  • Ein Viertel aller Nahrungs- und Futtermittel weltweit ist laut FAO mit Mykotoxinen belastet – oft, weil kein Pflanzenschutz möglich war.

Moderne Pflanzenschutzmittel sind sicherer als früher 

  • Seit den 1960er-Jahren hat sich viel verändert: Wirkstoffe sind heute deutlich umwelt- und gesundheitsfreundlicher. 
  • Strenge Zulassungsverfahren in der EU gehören zu den sichersten weltweit. Stoffe mit krebserregender oder hormoneller Wirkung kommen gar nicht mehr auf den Markt. 
  • Rückstände in Lebensmitteln liegen weit unter den gesetzlichen Grenzwerten. Die Trinkwasserqualität hat sich in Deutschland in den letzten drei Jahrzehnten deutlich verbessert; nur bei 3,6 Prozent der Messstellen wurde der gesetzliche Schwellenwert von 0,1 µg/Liter überschritten (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Trinkwasser). 
  • Die Forschung bleibt nicht stehen. Neue, umweltfreundlichere Pflanzenschutzmethoden wie biologische Wirkstoffe werden entwickelt. 

Integrierter Pflanzenschutz: Chemie als letzte Option 

  • Gesetzlich vorgeschrieben ist der integrierte Pflanzenschutz: Vorbeugung, mechanische und biologische Maßnahmen kommen zuerst. 
  • Chemisch-synthetische Mittel sind die „Ultima Ratio“, wenn andere Methoden nicht ausreichen. 
  • Neue Technologien wie Smart Spraying können die Aufwandmengen reduzieren. 

Warum weitere Einschränkungen im Wirkstoffangebot problematisch sind 

  • Je geringer das Angebot an Wirkstoffen, desto schneller entwickeln Schaderreger und Unkräuter Resistenzen.
  • Resistenzen werden gefördert, wenn wiederholt Pflanzenschutzmittel angewendet werden, die über den gleichen Wirkungsmechanismus verfügen. 
  • Um die Entwicklung dieser Resistenzen zu verhindern bzw. zu verlangsamen, ist es entscheidend, eine Vielfalt an Wirkstoffen bzw. Wirkstoffgruppen zu erhalten.

Was passiert, wenn wir auf Pflanzenschutz verzichten? 

  • EU-Ziele wie „Farm to Fork“ sehen eine Reduktion um 50 % vor. Folgen wären massive Ertragseinbußen und mehr Importe. 
  • Die Forschung und Entwicklung von neuen umweltfreundlicheren Pflanzenschutzmitteln werden gebremst. 
  • Weniger Wirkstoffe bedeuten höhere Risiken gegenüber Krankheiten und Schädlingen – auch im Ökolandbau.

Tipps für das Gespräch am Feldrand

  1. Ruhig bleiben: Kritik ist oft emotional. Freundlichkeit öffnet Türen. 
  2. Einfach erklären: Fachbegriffe vermeiden, Beispiele nutzen.
  3. Transparenz zeigen: „Wir dokumentieren jede Maßnahme und halten uns an strenge Regeln.“ 
  4. Gemeinsame Werte betonen: „Uns geht es wie Ihnen um gesunde Lebensmittel und eine intakte Umwelt.“ 

Fazit 

Ein effektiver Pflanzenschutz bleibt essenziell, um die Erzeugung gesunder Lebensmittel zu gewährleisten. Dafür braucht es einen Werkzeugkasten mit einem breiten Spektrum an Instrumenten, zu dem auch eine ausreichende Vielfalt an modernen Pflanzenschutzwirkstoffen gehört. Dabei gilt, vorbeugende Maßnahmen mit direkten Regulierungsmaßnahmen zu verbinden. Moderner Pflanzenschutz ist kein Gegensatz zu Nachhaltigkeit – er ist Teil davon. Wer das klar und verständlich kommuniziert, kann Vorurteile abbauen und Vertrauen schaffen. 

Dieser Blogbeitrag beruht auf dem Positionspapier des DLG-Ausschusses für Pflanzenschutz.

Das Positionspapier ist hier zu finden: Warum wir einen modernen Pflanzenschutz brauchen

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DLG

Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e.V.

Offenes Netzwerk und fachliche Stimme der Land-, Agrar- und Lebensmittelwirtschaft: Die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e.V.), 1885 von Max Eyth gegründet, steht für Produktivität und Ressourcenschutz in einer nachhaltigen und innovationsfreundlichen Wertschöpfungskette Agrar und Ernährung. Ziel der DLG ist, mit Wissens-, Qualitäts- und Technologietransfer den Fortschritt zu fördern. Die DLG hat mehr als 31.000 Mitglieder, sie ist gemeinnützig, politisch unabhängig und international vernetzt.

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